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2.2.2018 - Einweihung RegioWIN Campus im Technologiepark Reutlingen-Tübingen

Die beiden Leuchtturmprojekte „Nanoanalytikzentrum“ und „Forschungscampus BioMedTech“ gehen an den Start

 

Nach nur fünfzehn monatiger Bauzeit feierten das Naturwissenschaftliche und Medizinische Institut an der Universität Tübingen (NMI) und die TF-RT Technologieförderung Reutlingen Tübingen am 02. Februar 2018 die offizielle Schlüsselübergabe des RegioWIN Campus im Technologiepark Reutlingen-Tübingen.

 

Das neue Technologiegebäude schafft Raum für zwei Leuchtturmprojekte aus dem RegioWIN Wettbewerb des Landes: Das „Nanoanalytikzentrum“ und der „Forschungcampus BioMedTech“ nehmen dort ihre Arbeit auf. Im Beisein der Reutlinger Oberbürgermeisterin Barbara Bosch erhielten rund 180 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft Einblick in den Neubau und die damit verbundenen neuen Forschungsmöglichkeiten.

 

„Das neue Technologiezentrum wird für einen Innovationsschub in der Region im Bereich Biomedizintechnik, Materialwissenschaft und Werkstofftechnik sorgen und die Wettbewerbsfähigkeit der ansässigen Unternehmen stärken“, so Prof. Hugo Hämmerle, Leiter des NMI. Insgesamt wurden 20 Mio. Euro in das Projekt investiert, wovon die Europäische Union im Rahmen des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung und das Land Baden-Württemberg zusammen 8,5 Mio. Euro tragen. Die Eröffnung begleiteten zahlreiche Grußworte unter anderem von Leo Maier, Referatsleiter der Europäischen Kommission, Ministerialdirektor Michael Kleiner, Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg. Landrat Joachim Walter, Landratsamt Tübingen und Prof. Dr. Peter Grathwohl, Prorektor der Universität Tübingen.

 

Mit der Einweihung und Schlüsselübergabe für den RegioWIN Campus werden zwei Leuchtturmprojekte aus dem RegioWIN Wettbewerb des Landes realisiert. Die Projekte sind das Ergebnis eines einmaligen regionalen Strategieprozesses vieler Akteure der Region Neckar-Alb, der bereits 2013 startete. Das NMI beteiligte sich im Rahmen des Wettbewerbsbeitrags „FORTUNA“ (Forschung, Technik, Umwelt, Natur Neckar-Alb) der Landkreise Reutlingen, Tübingen und Zollernalb und initiierte maßgeblich die Projektidee.

 

Das neu entstandene Gebäude im Technologiepark Reutlingen-Tübingen bietet auf über 3.000 m² Platz für Labore und Büros, die durch den RegioWIN Campus für die beiden RegioWIN-Leuchtturmprojekte und von der Firma Multi Channel Systems (MCS) genutzt werden. Bauherren sind die MCS Holding GmbH, das NMI Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen und die TF-RT Technologieförderung Reutlingen-Tübingen GmbH, die gemeinsam das ambitionierte Bauvorhaben umsetzten.

 

Die Baukosten für den Neubau belaufen sich auf rund 7 Millionen Euro, weitere 13 Millionen Euro wurden in die Ausstattung, in Sonderbaumaßnahmen und erste Projekte investiert. Das Bauprojekt stellte außergewöhnliche bauliche Anforderungen, um für den Betrieb der hochauflösenden Elektronenmikroskope geeignete Voraussetzungen zu schaffen. Der Architekt Frank Schillinger löste die Aufgabe mit Bravour und sorgte gleichzeitig für ein ästhetisch gelungenes Forschungsgebäude, in dem sich die Menschen wohl fühlen und gerne arbeiten.

 

Erforschung kleinster Strukturen

Nanoanalytik spielt heute in vielen Bereichen der Life Science- und Materialforschung eine zentrale Rolle. Sowohl für die industrielle Entwicklung und Verarbeitung neuer Werkstoffe als auch für die Grundlagenforschung ist die Erforschung kleinster Strukturen im Maßstab des millionstel Millimeters heute unverzichtbar. Mit dem Zentrum entsteht eine regionale Anlaufstelle für innovative Firmen mit werkstofftechnischen Fragestellungen und Produktideen. Das NMI, die Universität Tübingen und Unternehmen der Medizintechnik, aus dem Fahrzeug-, Maschinen- und Werkzeugbau sowie Forschungseinrichtungen wollen die Nanoanalytikmöglichkeiten für Grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung gemeinsam nutzen.

 

Herzstück des neuen Zentrums sind zwei bis in den atomaren Bereich hinein hochauflösende, analytische Transmissionselektronenmikroskope (HRTEM). Das Leuchtturmprojekt Nanoanalytikzentrum bietet damit die Chance, so Prof. Hugo Hämmerle, "in die Champions League der Elektronenmikroskopie aufzusteigen." Über 50 Firmen haben bereits ihr Interesse an der Nutzung des Nanoanalytikzentrums bekundet – darunter viele namhafte Großunternehmen wie Bosch, Daimler, Walter, aber auch kleine Mittelständler aus der Region, die von dem unkomplizierten Zugang zur Hochtechnologie besonders profitieren werden. Zu den wissenschaftlichen Kooperationspartnern des Projekts gehören unter anderem fünf Institute der Innovationsallianz Baden-Württemberg sowie die Universität Tübingen.

 

Medizin der Zukunft

Das Leuchtturmprojekt „Forschungscampus BioMedTech“ hat zum Ziel, die Region Neckar Alb zu einem führenden Forschungsstandort der Biomedizintechnik zu entwickeln und die Stärken der Region auszubauen, die sich aus der Zusammenarbeit von Biotechnologie und Medizintechnik ergeben. Forschungsprojekte für die Medizin der Zukunft sollen hier in international markt- und wettbewerbsfähige Produkte und Verfahren umgesetzt werden. In den neuen Räumen werden regional ansässige Unternehmen der Medizintechnik und Biotechnologie und Institutionen der Grundlagen- und angewandten Forschung gemeinsam neue Materialien für die Medizin entwickeln.

 

In einem ersten Forschungsprojekt werden Immunreaktionen, die im Kontakt mit technischen Grenzflächen und Materialien wie z. B. von Implantaten, Blutschläuchen oder Blutfiltern auftreten können, untersucht, um daraus verlässliche Vorhersagen von Materialunverträglichkeiten ableiten zu können. Das NMI arbeitet in diesem Projekt mit drei Partnern der Universität Tübingen, einer Arbeitsgruppe der Hochschule Reutlingen und drei forschungsstarken Biotechnologieunternehmen zusammen. Weitere 20 nationale und internationale Unternehmen aus der Medizintechnikbranche und der Biotechnologie begleiten das Verbundprojekt mit Rat und Tat und der Lieferung relevanter Materialien als Mitglieder eines industriellen Lenkungskreises.

 

Zur Einweihung des RegioWIN Campus gab es viel Anerkennung und Lob für den regionalen Entwicklungsprozess RegioWIN und die Umsetzung der Leuchtturmprojekte. "Was hier entstanden ist, bringt nicht nur die Region voran, sondern hat auch einen Mehrwehrt für Europa", lobte Leo Maier, Referatsleiter bei der Europäischen Kommission in Brüssel. Und Ministerialdirektor Michael Kleiner ergänzte: "Ein großer Schritt nicht nur für die Region, sondern für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg insgesamt."

 

Als federführender Partner der RegioWIN Neckar-Alb Initiative bedankte sich Landrat Walter für die einmalige Zusammenarbeit mit den Akteuren der Region und vor allem bei Prof. Hugo Hämmerle für seinen Elan und seine Begeisterungsfähigkeit, die dieses besondere Ergebnis überhaupt möglich gemacht haben. „Wir brauchen noch viel mehr solcher Projekte, um die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft unserer Region weiter zu stärken.“

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