Forschung hautnah

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Sprungkraft für Innovationen

30 Jahre NMI – eine Erfolgsgeschichte wirtschaftsnaher Forschung


Das Naturwissenschaftliche und Medizinische Institut (NMI) an der Universität Tübingen feiert in diesen Tagen sein 30-jähriges Bestehen. Das Forschungsinstitut in direkter Nachbarschaft zum Technologiepark Tübingen/Reutlingen betreibt mit 190 Mitarbeitern anwendungsorientierte Forschung für die Pharma-, Biotechnologie- und die Medizintechnik-Industrie sowie für den Fahrzeug- Maschinen- und Werkzeugbau. 1985 gegründet, sollte es die Lücke zwischen Grundlagenforschung und industrieller Entwicklung schließen. Im Blick zurück zeigt sich, wie exzellent dieses gelungen ist. Über die Landesgrenzen hinaus ist das NMI für seine wirtschaftsnahe Forschung und die Entwicklung marktfähiger Produkte und Technologien bekannt. Auf einer Jubiläumsveranstaltung mit 200 geladenen Gästen würdigten Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik die Leistungen des Instituts – und prophezeiten ihm eine aussichtsreiche Zukunft.

Mit einem Umsatz von 14,4 Millionen Euro (2014) hat sich das NMI zu einem geschätzten Partner für angewandte Forschung und einem wichtigen Impulsgeber für Technologietransfer entwickelt. Dabei reicht das Forschungsspektrum von Pharma und Biotechnologie über Biomedizintechnik bis zur Oberflächen- und Werkstofftechnologie. Für die Wirtschaft bearbeitet das NMI jährlich über 300 Forschungsprojekte. Diese kommen überwiegend aus der Biotechnologie- und Medizintechnikbranche sowie aus dem mittelständisch geprägten Maschinenbau.

Bis heute ist es Kernaufgabe des NMI zwischen Grundlagenforschung und Anwendung Brücken zu schlagen. „Wir verstehen uns als wirtschaftsnahes Forschungsinstitut, das mit produkt- und technologieorientierten Innovationen einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Standortsicherung leistet. Vor 30 Jahren war der Transfer aus der akademischen Forschung in die Industrie unüblich oder wurde sogar misstrauisch beobachtet. Heute hat sich das gewandelt. An unserem Institut arbeiten Naturwissenschaftler gemeinsam mit Ingenieuren sehr interdisziplinär zusammen, um an der Schnittstelle von Bio- und Materialwissenschaften Innovationen auf den Weg zu bringen“, beschreibt Prof. Dr. Hugo Hämmerle, Institutsleiter des NMI, die Leistungen des Instituts. 

Dabei ist das NMI oft neue Wege gegangen und setzt seit 20 Jahren auf Existenzgründungen als Königsweg des Transfers. So wurden zwölf Unternehmen am NMI oder mit Hilfe des NMI gegründet. Ihre Gründung stand jeweils im direkten Zusammenhang mit Forschungsergebnissen und Entwicklungen des NMI. „Es gibt einen Gründer-Geist, der am NMI zu spüren ist. Unsere jungen Leute beteiligen sich zum Beispiel rege an Ideen und Gründerwettbewerben. Durch unsere aktive Begleitung und die Bereitstellung von Räumen, Geräten und Kompetenzen bieten wir den Wissenschaftlern ein ideales Umfeld für die Firmengründung“, skizziert Hämmerle die Unterstützung des NMI für angehende Jungunternehmer.

Den Anstoß zur Institutsgründung gab 1983 Dr. Günter Hoff, Forschungsleiter im Bereich »Neue Technologien« bei der Friedrichshafener Dornier-System GmbH, und damaliges Mitglied der baden-württembergischen Forschungskommission. Er schlug der Landesregierung den Aufbau eines naturwissenschaftlichen Forschungsinstitutes in thematischer und räumlicher Nähe zur Universität Tübingen vor. Hoffs Konzept sah ein interdisziplinäres Team aus rund 100 Wissenschaftlern vor, das Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung zu marktfähigen Technologien und Produkten weiterentwickeln sollte. Die Einrichtung sollte sich auch international mit den besten Instituten messen können. Diesem hochgesteckten Ziel wurde das NMI bis heute mehr als gerecht.

Sprungkraft für Innovationen

Das Leitthema des Jubiläumsjahres am NMI lautet „Sprungkraft für Innovationen“. Das war auch das Motto der offiziellen Jubiläumsfeier, die am 25. September 2015 mehr als 200 geladene Gästen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammenführte und mit hochkarätigen Rednern Sprungmarken aus 30 Jahren NMI setzte.
Unter den Rednern waren die Oberbürgermeisterin der Stadt Reutlingen Barbara Bosch, der Präsident der IHK Reutlingen Christian Erbe, Dr. Klaus Maleck, Vorstand, TETEC AG Reutlingen sowie Prof. Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen. Als langjährige Förderer, Partner und Wegbegleiter des NMI belegten sie aus vielfältiger Perspektive die „Sprungkraft für Innovationen“ des Forschungsinstituts. „Das NMI betreibt Spitzenforschung und ist wichtiger Innovationsmotor in unserer Region“, bestätigte Barbara Bosch die besondere Expertise des NMI. Das zeige sich auch in der interdisziplinären Ausrichtung und in der internationalen Vernetzung. „Ich freue mich über diese Keimzelle für Innovationen im Technologiepark Reutlingen, die eine verlässliche Säule für den Technologiewandel der Stadt ist.“
Den Festvortrag mit dem Titel „Der Südwesten: Vorsprung durch Innovationskraft“ hielt MdL Peter Hofelich, Staatssekretär im Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg. „Das NMI ist auf einem wichtigen Zukunftsfeld unterwegs, das dem Ländle Arbeitsplätze und Beschäftigung sichert“, hob der Staatssekretär die Bedeutung des NMI und damit der wirtschaftsnahen Forschung für Baden-Württemberg hervor: »Das NMI bietet der Pharma- und Medizintechnikindustrie ein einzigartiges Angebot an wirtschaftsnaher Forschungsinfrastruktur. Hier entsteht Innovation, hier entsteht Zukunft«, lobte der Staatssekretär.


Expertengespräch: Innovationen auf die Sprünge helfen
Über die Zukunft in den Bereichen Pharma, Diagnostik und Medizintechnik diskutierte Dr. Alfred Stett, stellvertretender Institutsleiter des NMI, mit vier ausgewiesenen Fachleuten zum Ende der Jubiläumsveranstaltung. Auf dem Podium saßen Dr. Adrian J. Carter von der Boehringer Ingelheim GmbH, Prof. Dr. Wolfgang Petrich, Roche Diabetes Care GmbH, Dr. Harald Stallforth, Aesculap AG Tuttlingen und Prof. Dr. Peter Gumbsch, Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM Freiburg. Zusammen unternahmen sie eine Zeitreise in das Jahr 2035 und blickten von dort zurück, um über die seit heute erzielten Fortschritte in der Gesundheitsforschung und Materialwissenschaft zu berichten.

Sie skizzierten eine wahrhaft spannende Zukunft mit neuen Methoden der Diagnostik, mit individualisierten Medikamenten, mit sogenannten Wearable Devices – am Körper tragbaren Medizinprodukten – und innovativen Miniimplantaten. Viele der beschriebenen Entwicklungen folgten dem Trend zur Personalisierung und Digitalisierung der Medizin mit Diagnose- und Therapieverfahren, die auf bestimmte Patientengruppen individuell zugeschnittene Behandlungen ermöglichen. „Wir werden einen Wandel erleben, weg von der Behandlung von Krankheiten hin zur Behandlung des individuellen Patienten“, brachte Alfred Stett die Expertenstimmen auf den Punkt. „Dabei werden viele Produktinnovationen durch neue Materialienentwicklungen initiiert sein. Sie sind der Schlüssel zu neuen Funktionen und Eigenschaften, die wir zur Lösung medizintechnischer Aufgaben benötigen.“